Hochzeit: Die Braut, die sich nicht zu trauen scheint

Fotografiert und geschrieben von

Ein Brautpaar, welches in Köln wohnte, wollte nach der standesamtlichen Hochzeit in der Heimat der Braut nun die kirchliche Trauung in der Heimatgemeinde des Bräutigams in Düsseldorf feiern. Die Eltern des Bräutigams waren ganz in ihrem Element und machten sich daran, die Hochzeit akribisch zu planen. Während in Düsseldorf die Vorbereitungen für die Messe und die Feierlichkeiten der Hochzeit getroffen wurden, wählte die Braut in Köln ihr Kleid aus und vereinbarte auch für den Tag der Hochzeit einen Friseurtermin.

Während Bekannte und Verwandte aus der ganzen Republik zur Hochzeit anreisten und in den reservierten Hotels eincheckten, zogen die Schwiegereltern im Hintergrund die letzten Fäden und auch der katholische Pfarrer begann sich auf die Trauung vorzubereiten. Bereits eine halbe Stunde vor der Trauung versammelten sich die ersten Gäste vor der Kirche. Als die Glocken zu läuten begannen, nahmen die zahlreichen Gäste in der Kirche platz. Auch der Bräutigam stellte sich kurz vor vierzehn Uhr vor den Altar, schaute herüber zu den einziehenden Messdienern und zum Pfarrer, und richtete den Blick dann zum Eingangsbereich. Dort sollte vor der Tür die Braut mit ihrem Vater stehen, der diese traditionell zum Altar führen sollte. Immerhin war die standesamtliche Hochzeit in Köln bereits passiert, warum also sollte die Braut jetzt in der Düsseldorfer Kirche einen Rückzieher machen? Die ersten Töne des Hochzeitsmarsches von Mendelssohn erklangen, erstarben aber sofort wieder, als die Tür sich nicht öffnete. Auch den netten Fotografen konnte der Bräutigam nicht fragen, denn der stand vor der Kirche, um die Ankunft der Braut zu fotografieren.
Die Minuten verstrichen, unterbrochen vom Rascheln der Kleider der Frauen, wenn sie sich erneut zum Eingangsbereich umdrehten. Nichts passierte. Um zehn nach zwei endlich öffnete sich die große Kirchepforte – herein kam jedoch nur kurz der Fotograf um die Schultern nach oben zu ziehen und zu zeigen, daß er noch nichts vom Brautauto erblickt hatte.
Um zwanzig nach zwei beruhigte der Pfarrer den Bräutigam, der bereits rote Flecken im Gesicht hatte und sich ständig durch die Haare fuhr. Der Pfarrer räusperte sich kurz, sah herunter zu den Hochzeitsgästen und trat an das Mikrofon, welches vor dem Altar aufgestellt wurde: „Meine Damen, möchte vielleicht jemand von Ihnen einspringen?“Die Gäste lachten erleichtert durch den Witz, unterhielten sich lange bis endlich die Pforte wieder aufging.  Erst huschte der Fotograf nach innen, dann zeigte sich die Braut mit Ihrem Vater. Der Grund für die Verspätung lag nicht darin, dass die Braut sich nicht traute, sondern dass der Friseurtermin länger gedauert hat und sie auf dem Weg zur Hochzeit auch noch das Blumenbuket auf dem zu schnellen Auto in einem Tunnel vorloren hatten. Handies gab es damals noch nicht und so wusste wirklich niemand, was los war. Die Erleichterung über das Eintreffen der Braut mit Ihrem Vater war dann umso größer. Es wurde ein herlicher Tag mit einer ganz kurzen kirchlichen Trauung (die nächste Trauung war unmittelbar danach).

© Peter Rosktohen Fotograf exklusive Hochzeitsfotos Köln Düsseldorf Niederrhein und Ruhrgebiet NRW